Geschichte
Wappen von Kleinrinderfeld
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Pfarrkirche "St. Martin"

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Zur Geschichte Kleinrinderfelds
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Urkunde über die Verleihung des Wildbanns
Unerforscht ist der Zeitpunkt, zu dem die erste Siedlung Kleinrinderfeld entstand. Aus dem St.-Martins-Patrozinium der Pfarrkirche und der Namensendung „-feld“ kann auf eine alte, spät-merowingische Siedlung geschlossen werden, da dem fränkischen Nationalheiligen St. Martin, Bischof von Tours, vor allem im 8. Jahrhundert viele Kirchen geweiht wurden.
 
Schriftliche Erwähnung fand Kleinrinderfeld erstmals im Jahre 1060. Die im Staatsarchiv Würzburg lagernde Urkunde vom 22. Juni 1060, mit der König Heinrich IV. dem Würzburger Bischof Adalbero einen Wildbann (= Jagdrecht) im Raum Kleinrinderfeld verlieh, spricht bereits hier von der Ansiedelung „Rindervelt minorem“ (= das kleine Rinderfeld).
 
Siedlungsgeschichtliche Nachweise reichen im Kleinrinderfelder Raum bis in die Jungsteinzeit (ca. 3500 v. Chr.) zurück. Sie setzen sich fort in der Bronzezeit (ca. 1550 bis 1250 v. Chr.; Hügelgräber, Ganzkörperbestattung, Grabhügel im Guttenberger Wald), in der beginnenden Eisenzeit (ca. 1250 bis 750 v. Chr.; Urnenfelderzeit, Leichenbrand in Urnen bestattet, Bestattungsareal in der Nähe des heutigen Wasserhauses) und in der keltischen Zeit des westlichen Hallstattkreises (ca. 800 bis 400 v. Chr.; frühkeltischer Fürstensitz auf dem Würzburger Marienberg, große Grabhügel im Guttenberger Wald, Ausgrabungen einer hallstattzeitlichen Grabhügelgruppe ca. 2.100 m südlich der Kirche).
 
Siedlungsgeschichtliche Funde fehlen jedoch noch aus der La-Tène-Kultur der Kelten (ca. 400 v. Chr. bis in die Zeit um Christi Geburt), die durch eine Verlagerung der keltischen Kerngebiete gekennzeichnet ist (Belagerung Roms, Gründung von Ankara, Ungarnbesiedelung, usw.) und aus der Zeit der Völkerwanderung (ab Christi Geburt bis ca. 500 n. Chr.), in der thüringisch bzw. alamanisch beeinflusste Besiedelung angedacht werden könnte.
 
Mit den Siegen der Franken über die Alamannen (479 bis 506 n. Chr.) und über die Thüringer (511 bis 531 n. Chr.) wurde der Raum Kleinrinderfeld in das fränkische Großreich der Merowinger (König Chlodwig I. – 481 bis 511 n. Chr.) integriert (fränkische Kolonisation; Hoheitsgebiet um Würzburg – Uburzis).
 
Die Gründung des Bistums Würzburg 742 n. Chr. durch Bonifatius hatte vermutlich zumindest indirekte siedlungsgeschichtliche Ausstrahlung auf das Gebiet Kleinrinderfeld und sei es nur in der Form, dass das Erzstift Mainz seine östlichen Grenzorte Kleinrinderfeld und Kist im mainzischen Landkapitel Taubergau bewusster beobachtet haben mag.
 
Die Zugehörigkeit zum Erzstift Mainz war jedoch in der Folge kein Hinderungsgrund dafür, dass im Zusammenhang mit der in dieser Zeit üblichen Leibeigenschaft (Abgaben, Frondienste, …) sich die grundherrlichen Bindungen mehr in Richtung Würzburg als in Richtung Mainz ausrichteten.
 
Die Zugehörigkeit des Ortes bzw. einzelner Huben zum Landadel der Zobel von Guttenberg und der Geyer von Giebelstadt sowie zu den Klöstern Himmelpforten, St. Jakob, Engelgarten bzw. Paradeis und zum Haus des Deutschen Ordens zeigt die stärkere Orientierung in Richtung Würzburg.
 
Mit der Übernahme der zobelschen und geyerschen Rechte an Kleinrinderfeld durch den Würzburger Bischof Lorenz von Bibra (1510 bzw. 1518), der Eingliederung von Kist und Kleinrinderfeld in das Territorium des Hochstiftes Würzburg (1585) und dem Übergang der geistlichen Jurisdiktion der Pfarreien Kist und Kleinrinderfeld an das Hochstift Würzburg (1656) wurde die endgültige Ausgliederung aus dem Erzstift Mainz vollzogen. Die gezielte Kauf- und Entsiedlungspolitik der Würzburger Bischöfe führte im Raum Kleinrinderfeld zu umfangreichen bischöflichen (jetzt ausmärkischen) Waldflächen (Guttenberger und Irtenberger Wald), die heute noch die Gemeindeflur Kleinrinderfelds begrenzen und einengen.
 
Hohe Belastung durch Abgaben, Fron und Wildschäden hielten die Bevölkerung über Jahrhunderte hinweg relativ arm – die 1445 getroffene Feststellung „die armen Leuthe“ galt auch in der Folge. Die Besiedlungskontinuität des Ortes wurde jedoch nicht einmal im 30-jährigen Krieg unterbrochen; langsam stiegen die Bevölkerungszahlen der meist kleinbäuerlichen Einwohner mit darauf ausgerichteten Handwerkern.
 
Die Säkularisation des Hochstiftes Würzburg 1802/1803 brachte den Anschluss an Bayern, der nach kurzem Interregnum des Großherzogtums Österreich–Toskana (1805 bis 1814) im Jahre 1814 endgültig vollzogen wurde.
 
Die Bauern waren nunmehr Grundholde (Grunduntertanen) des Staates – allerdings mit der Möglichkeit, das Obereigentum des Staates an ihren Gütern finanziell abzulösen (theoretisch – arme Bevölkerung!).

Erst die Revolution 1848 beseitigte das Feudalsystem der Grunduntertanen endgültig (die Ablösung des Obereigentums der Feudalherren wird obligatorisch; die Fronverpflichtungen fallen weg; die Zehnten werden abgeschafft).
 
In diese Zeit fällt auch der Beginn des gezielten Abbaus von Muschelkalkstein, der dem Dorf einen steten Aufschwung bescherte.
 
Zur Gemeinde Kleinrinderfeld gehören neben dem Hauptort noch die beiden Weiler Limbachshof und Maisenbachhof. Beide Ansiedlungen – insbesondere Limbachshof – waren in der Vergangenheit wohl bedeutender, sind dann aber siedlungsgeschichtlich in den Hintergrund getreten.









Kapelle in Limbachshof

Kapelle in Maisenbachhof

Der Name Limbachshof könnte sich auf einen mit Lindenbäumen bestockten Bachbereich beziehen; denkbar ist aber auch sein Ursprung im mittelhochdeutschen Wort „lint“ für „klein“ – also „Hof am kleinen Bach“ – (analoge Beispiele dazu sind: „Rihinpah“ für „Reichenbach“ oder „Lintpah“ für „Limbach“).

Der Name Maisenbachhof könnte auf besonderen Vogelreichtum (Meisen) hindeuten; wahrscheinlicher ist aber, dass es sich hier um eine Holzeinschlagstelle – eine Rodung – handelte (mittelhochdeutsch: „maiz“ = Holzschlag; „maizzen“ = schlagen oder hauen).

 
Zusammenfassend können wir sagen, dass Kleinrinderfeld eine liebenswerte, unterfränkische Gemeinde im Umfeld von Würzburg ist, deren Wurzeln im Erzstift (Bistum) Mainz liegen, die 1585 dem Hochstift (Bistum) Würzburg zufiel und seit 1814 zu Bayern gehört.

Landwirtschaft, Handwerk und Steinindustrie waren seit je her die wirtschaftliche Grundlage des Ortes und prägen sein Bild noch heute.